Haarshampoo und Gesichtscreme: Ein Luxus im Pflegeheim?

Frau Preininger berichtet…
Beim Besuchsdienst in einem Pflegeheim bei einer älteren Dame sind wir mit einer erstaunlichen Tatsache konfrontiert worden:

Im Nebenbett lag ebenfalls eine ältere Dame; sie machte einen ganz verzweifelten Eindruck. Natürlich habe ich nachgefragt, ob alles in Ordnung sei. Und sie fing fast zu weinen an! Sie habe nur eine Tochter und die lebe im Ausland, ihre Freundin sei ebenfalls nicht mehr mobil und sie habe somit niemanden mehr, der für sie einkaufen gehe. Sie brauche so dringend Kukident-Tabs, eine Hautcreme und ein Haarshampoo. Als sie eine Pflegerin gefragt habe, ob sie ihr die Dinge besorgen könne, habe diese knapp verneint. Laut Heimleitung darf das Personal kein Geld von Bewohnern annehmen und schon gar keine Einkäufe für diese tätigen. Was also tun in so einer prekären Situation?

Wir haben uns natürlich dieser Sache angenommen und für diese Dame selbstverständlich den gewünschten Einkauf getätigt. Sie hat sogar ihre Sonderwünsche für eine spezielle Creme bei mir deponiert. Unser Einkauf war genau richtig und so konnten wir der Dame eine besondere Freude machen.

Schlussendlich wurde auch diese Dame unsere Klientin und jedesmal, wenn wir den Besuchsdienst in diesem Pflegeheim absolvieren, rufen wir unsere Klientin vorher an, damit wir die benötigten Pflegeartikel gleich beim Besuch mitbringen können. Welch eine Freude hat nun diese Dame, weil man ihr die einfachsten Wünsche erfüllt!

Wenn man annimmt, dass man wirklich rundum versorgt ist in einem Pflegeheim, so kann man sich täuschen. Ein Pflegeheim ist kein Hotel und das Personal ist für die Pflege zuständig, nicht für Einkäufe. So kann es also schnell gehen, dass ein großes Stück Lebensqualität eingebüßt wird!

Veröffentlicht am: 27. Jan. 2020

3 Kommentare zu “Haarshampoo und Gesichtscreme: Ein Luxus im Pflegeheim?”

  1. Peter Maier sagt:

    Das glaube ich sofort, das ist ja unwahrscheinlich, also gebe ich meine Tante auf keinen Fall in ein Pflegeheim, kann kommen was wolle!!!!!!!

  2. Susi M. sagt:

    Genau, dass ist ein Wahnsinn….

  3. Manuela Fürpass-Fuchs sagt:

    Ich bin erschüttert und den Tränen nahe, und, es tut weh im Herzen: das ist auch der Grund, warum ich meine Mutter bis zum Ableben betreut und gepflegt habe! Leider liest und hört man so wenig von diesen Umständen – viele denken, im Heim einen Rundumservice genießen zu dürfen – das ist ein Irrtum. Die persönlichen, kleinen und liebgewordenen Alltagsdinge, gehören nicht zu den Tätigkeiten der Pflegedienst- und Verwaltungsangestellten. Ich denke dabei an das Lieblingsessen, an die Lieblingsdüfte und persönlichen Pflegeartikel, an neue Kleidung die den pflegenden gefällt, an Nahrungsergänzungsmitteln aus der Apotheke, an den Friseur und die Fußpflege, bis hin zur Entspannungsmassage. Es ist toll, wenn es eine Einrichtung gibt, welche all diese und weitere Dinge respektiert und die kleinen Wünsche, Groß erfüllen kann.

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