Spital als Labyrinth: Mit Demenz zur Untersuchung

Alltagsg'schicht Mit Demenz ins Spital

Frau Preininger berichtet…

Letzte Woche ist die Tochter eines demenzkranken Mannes an uns herangetreten. Sie, die Tochter, ist noch berufstätig und ihr Vater benötigt dringend eine Untersuchung im Spital: eine Gastroskopie. Sie bat uns, die gesamte Organisation zu übernehmen.

Wir haben sodann die benötigten Unterlagen von der Tochter angefordert (Datenschutz wurde nicht vergessen) und alles Weitere in die Wege geleitet: Terminisierung auf der med. Station im Krankenhaus, OP-Tauglichkeit, Röntgenbilder der Lunge, Blutlabor u.s.w. Die Tochter des Patienten hat uns auch darauf hingewiesen, dass ihr Vater bereits an starker Demenz leide und daher unbedingt eine Begleitperson bei ihm sein sollte.

Der Tag der Untersuchung kam und wir waren bereits eine Stunde vor dem Termin vor Ort, um unseren Klienten bei Eintreffen sofort in Obhut zu nehmen. Unser erster Weg führte auf die med. Station, wo wir die stationäre Aufnahme vorab mit der Pflegedienstleitung aufbereitet haben.  Auf einmal kam eine Schwester zum Stützpunkt und teilte mit, dass der Patient schon da sei; man habe ihn in den Aufenthaltsraum geschickt! Auf meine Nachfrage, ob die öffentlichen Spitäler untereinander vernetzt seien bejahte dies die aufnehmende Schwester. Ich machte sie nochmals darauf aufmerksam, dass der Patient ein Alzheimerpatient sei,  und zwar im fortgeschrittenem Stadium! Das hätte bereits bekannt sein sollen.

Wir liefen sofort in den Warteraum – natürlich war der Herr nicht mehr da! Wir suchten den ganzen Stock ab – der Herr war nirgends zu finden! Letztendlich haben begonnen, alle Stockwerke abzugehen. Und zum Glück haben wir den Herren dann im 3.Stock – im Gang herumirrend – gefunden!

Wir haben uns vorgestellt und ihm gesagt, dass wir von seiner Tochter geschickt worden seien, da sie selbst derzeit nicht kommen könne. Auf unsere Frage, was er denn in diesem Stockwerk mache, antwortete er knapp:  „Na ich suche meinen Autoschlüssel! Wie soll ich denn sonst in die Arbeit kommen?“

Man stelle sich vor, er wäre tatsächlich ganz ohne Begleitung gewesen! Die Untersuchung hätte nicht durchgeführt werden können und er hätte sich vermutlich alleine irgendwo am Gelände verirrt – was für eine Stresssituation!

Veröffentlicht am: 29. Okt. 2018

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